
Novartis kauft US-amerikanische Excellergy für 2 Mrd. USD
Novartis kauft wieder ein und die kalifornische Excellergy für bis zu 2 Mrd. Dollar. Der Antikörper Exl-111 soll die Allergie-Pipelinestärken und über den bisherigen Standard hinausgehen. Der Deal ist Teil einer Serie von Zukäufen, mit denen der Konzern seine Innovationsbasis gezielt ausbaut.
Das Leben einer Biotech-Firma kann mitunter kurz sein, und wenn man auf das wie wild rotierende Übernahme-Radar der Schweizer Novartis gerät, kann so ein Firmenstart bereits nach weniger als einem halben Jahr schon wieder vorbei sein. So ergeht es der kalifornischen Firma Excellergy, die erst Mitte Oktober mit einer Serie A-Finanzierung über 70 Mio. US-Dollar etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte – offensichtlich auch im Schweizer Hauptquartier von Novartis in Basel.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis treibt damit aktuell seine Einkaufstour im Bereich innovativer Medikamente weiter voran und setzt dabei erneut auf Immunologie. Mit der geplanten Übernahme des US-Biotechunternehmens Excellergy sichert sich der Konzern ein vielversprechendes Frühphasenprogramm gegen allergische Erkrankungen. Der Deal hat ein Volumen von bis zu 2 Mrd. US-Dollar, inklusive Vorauszahlungen und erfolgsabhängiger Meilensteine.
Trifunktionalität gegen Immunglobulin E
Im Zentrum steht der Antikörperkandidat Exl-111, der derzeit in einer Phase I-Studie untersucht wird. Anders als bestehende Therapien zielt er nicht nur auf frei zirkulierendes Immunglobulin E (IgE), sondern soll auch bereits an Immunzellen gebundenes IgE ablösen und sorgt damit für eine schnellere und tiefere Unterdrückung der allergischen Signalwege, die bei Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, chronischer Urtikaria oder allergischem Asthma zur Beeinträchtigung der Betroffenen führt.
Strategisch knüpft Novartis damit an sein Blockbuster-Medikament Xolair an, das ebenfalls auf den IgE-Mechanismus abzielt, jedoch perspektivisch durch Biosimilars unter Druck geraten dürfte. Exl-111 ist als Weiterentwicklung dieser etablierten Wirkweise konzipiert und könnte das bestehende Allergie-Portfolio ergänzen, sowohl mit Blick auf Wirksamkeit als auch auf bequemere Anwendung.
Novartis bleibt auf Shopping-Tour
Die Transaktion unterstreicht zugleich den konsequenten Expansionskurs des Basler Konzerns. In den vergangenen Monaten hat Novartis eine Reihe von Deals abgeschlossen, um seine Pipeline gezielt zu verbreitern und sich Zugang zu innovativen Plattformen und frühen klinischen Programmen zu sichern. Im Fokus stehen dabei insbesondere wachstumsstarke Therapiefelder wie Immunologie, Onkologie und Gentherapie. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht der Schweizer Konzern einen neuen Kooperationsdeal oder gleich eine Übernahme verkündet. Im vergangenen Jahr kam bei Akquisitionen ein Gesamtbetrag von 17–18 Mrd. US-Dollar zusammen (dominiert durch die Übernahme von Avidity), hinzu zählen sollte man Kooperationen/Lizenzen, die sich bei der Gesamtsumme möglicher Meilensteinzahlungen auf 10–15 Mrd. US-Dollar in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Um die 30 Mrd. US-Dollar an Ausgaben für externe Pipelineergänzungen im vergangenen Jahr, doch auch schon im laufenden Jahr hat Novartis diesen Kurs fortgesetzt: ein Kooperationsdeal mit Unnatural Products liegt über der Milliardenschwelle. Und auch ein einzelner Assetdeal mit Synnovation Therapeutics kann insgesamt bis zu 3 Mrd. US-Dollar teuer werden.
Mit der Excellergy-Übernahme für bis zu 2 Mrd. US-Dollar folgt Novartis damit dem eigenen Muster, setzt aber zugleich ein weiteres Signal: Statt auf späte, teure Zukäufe fertiger Produkte konzentriert sich der Konzern zunehmend auf differenzierte Technologien und Wirkmechanismen in frühen Entwicklungsphasen. Ziel ist es, sich langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern – gerade in Märkten, in denen bestehende Blockbuster durch Nachahmerprodukte unter Druck geraten.
Ob es letztlich gelingt, die wie ein bunter Strauß zusammengekauften Wirkstoffe – mit teils sehr unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen und ohne klare molekulare Verbindung, sondern primär vereint durch ihr vielversprechendes Wirkprofil – unter einem gemeinsamen Dach und innerhalb eines einheitlichen klinischen Entwicklungsregimes erfolgreich voranzubringen, bleibt offen. Was derzeit als kluge Strategie zur Abfederung der drohenden Patentklippe erscheint, könnte sich rückblickend auch als hektische Einkaufstour nach dem Schrotschussprinzip erweisen, sollten nur wenige der Programme die Ziellinie erreichen. Eine abschließende Bewertung wird jedoch erst in etwa einem Jahrzehnt möglich sein.

Chen SK et al, Nature Biotechnology (2026). https://doi.org/10.1038/s41587-026-03044-0
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Dr. Mike Nikolaev, Roche Institute of Human Biology & EPFL